Tierquälerei in Bremen

By  | 27. Dezember 2010 | Filed under: Zeit-Geschichten

Massentierhaltung: Tiere übereinander gestapelt

Wie “Freie Zeit“, der Blog für Hochstapelei und Tieffliegerei, nun aus zuverlässiger Quelle erfahren hat, dürfte in der deutschen Hansestadt Bremen ein neuer Fall von Tierquälerei seine Kreise ziehen. “Es ist jedes Jahr dasselbe. In den Sommerferien und zur Weihnachtszeit wissen die Leute nicht, wohin mit den Tieren, wenn sie in den Urlaub fahren.” stöhnt der Leiter des Tierschutzhauses Bremen und zeigt auf die übervollen Käfige, in denen sich ausgesetzte Tiere förmlich stapeln. “Kaum beginnt die Urlaubszeit, wissen viele nicht, wohin mit den Haustieren. Alle fahren nach Rimini oder Jesolo und zurück bleiben zahllose Tiere. Aber so etwas habe selbst ich noch nicht gesehen. Das grenzt schon an Massentierhaltung.”

Grund für den Skandal dürfte in diesem Fall ein bisher noch unbekannter Landwirt sein, welcher wahrscheinlich gerade mit seinem Traktor auf der Autobahn Richtung Brenner unterwegs ist. Ein Foto einer Radarfalle, der Halter des Traktors konnte allerdings noch nicht ausgeforscht werden, gibt Anlass zu der Vermutung, dass es sich bei dem darauf abgebildeten Bauern um den Täter handeln dürfte. Erst als die italienische Polizei die gesamte Autobahn sperrte, konnte der Tierquäler, für ihn gilt die Unschuldsvermutung, gestoppt werden.

Freie Zeit“, der Blog für herrenlose Abhörprotokolle und damenlose Spionagesatelliten, bekam wieder einmal als erstes elektronisches Medium Einsicht in den Polizeibericht und veröffentlicht aufgrund der Dringlichkeit der Causa ein kurzes Fragment aus dem Polizeiprotokoll.

Beamter A: “Name?”

Bauer XY ungelöst: “Habe ich, jawoll!”

Beamter B: “Und der lautet?”

Bauer XY ungelöst: “Sehr laut sogar. Steht aber auch so im Führerschein!”

Beamter A: “Und wo ist Ihr Führerschein?”

Bauer XY ungelöst: “Den haben eh Sie.”

Beamter B: “Das heißt, Sie fahren ohne gültige Fahrerlaubnis mit dem Traktor?”

Bauer XY ungelöst: “Was soll heißen, ohne gültige Fahrerlaubnis. Die habt eh Ihr. Also ist die gültig. Sogar endgültig. Endgültig weg.”

Beamter A: “Gut, lassen wir das. Haben Sie getrunken?”

Bauer XY ungelöst: “Selbstverständlich. Und nicht zu wenig. Oder glaubt Ihr, so ein Gefährt lässt sich nüchtern fahren?”

Beamter A: “Duzen Sie uns nicht. Sie haben keinen Führerschein. Sie sind betrunken. Haben Sie zufällig auch Tiere, welche Sie vermissen?”

Bauer XY ungelöst: “Ihr duzt Euch ja auch. Also gleiches Recht für alle. Also, vermissen nicht direkt. Weil ich weiß ja, wo die sind. Also habe ich nur keinen Führerschein, aber dafür ein paar Promille als Ausgleich. Darf ich jetzt weiterfahren? Ich hab noch einen Termin.”

Beamter A: “Sie kommen jetzt erst einmal mit. Der Termin muss leider warten.”

Bauer XY ungelöst: “Der Termin kann aber nicht warten.”

Beamter B: “Sind das Ihre Tiere?” Er zeigt ihm ein Foto der sichergestellten Tiere in Bremen.

Bremer Stadtmusikanten: Touristische Tierquälerei.Das Gesicht des Bauern hellt sich plötzlich auf. Freudentränen rinnen über sein rotes Gesicht, während er sich im Sitz aufrichtet und mühsam ein altes rot-weiss kariertes Taschentuch aus der Hosentasche zieht. Ein Schwall abgestandener Luft vermischt sich mit den Ausdünstungen, welche aus der Fahrerkabine dringen. Laut hörbar schneuzt er sich. Der zerknitterte Stoff des Taschentuchs mit den Verkrustungen vergangener Tage reibt sich dabei an den Bartstoppeln. Immer wieder schaut er unter Tränen auf das Foto, welches in der Hand des Beamten leicht zittert und vor den Augen des Bauern tanzt. Dann stemmt er sich mit beiden Beinen gegen den Boden des Traktors, richtet sich im Sitzen auf und steckt bedächtig das Taschentuch wieder ein. Wieder wirft er einen Blick auf das Foto, schüttelt ungläubig den Kopf, startet entschlossen den Motor und braust mit einem Höllentempo Richtung Jesolo davon.

Die beiden Beamten springen im letzten Augenblick auf die Seite. Der Satz “Dieses undankbare Pack. Und mir haben sie immer erzählt, sie könnten vor lauter Hunger gar nicht gerade stehen.” geht im lauten Knattern der Zylinder unter.

Vom Bauern fehlt bis heute jede Spur. Wahrscheinlich kann er voll lauter Sonnenschirmen und Strandliegen nicht gerade stehen und liegt mitten drin. Am schönen Strand von Massentourismus und mitten drin im warmen Sand von Massentourismus-Menschenhaltung. Und wenn er nicht gestorben ist, ja dann wird er wohl dort liegen bleiben.

Und falls er gestorben ist, liegt er sowieso,

am schönen Strand von Jesolo.      

      

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About 

That’s me (in the corner). Oder zumindest das, was ich von mir preisgebe. Jahrgang 1968, d.h. solange sonnengereift, bis die Großhirnrinde ausgedörrt wurde. Verheiratet (kaum zu glauben), Kinder (wahrscheinlich 2), beschäftigt im MAK Wien (ja, auch ich habe einen Job). Ach ja, und vielleicht noch eines. Das meiste, was Sie hier zu lesen bekommen, entspricht dem, was gemeinhin als Satire bezeichnet wird respektive was ich eben als solche verstehe. Wenn Ihnen also nicht zum Lachen zumute ist, dann hat dieser Blog seinen Zweck erfüllt. Wenn Sie trotzdem mit einem Lächeln weiterziehen, bitte ich dies höflichst zu entschuldigen. Aber kommen Sie doch wieder! Möglicherweise ist Ihnen dann zum Heulen zumute.

0 Responses to Tierquälerei in Bremen

  1. Paul Boegle 8. Juli 2011 at 15:30

    Das ist auch (meist) Sinn und Zweck meiner Posts. Also würde ich mich auf ein Wiederkommen und Weiterlesen auf meinem Blog freuen. Denn zumindest biete ich mehr Freiräume als es jene UrlauberInnen an besagtem Urlaubsort wohl jemals erwarten dürften. Liebe Grüsse aus der freizügigen Stadt Wien von Paul.

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